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New Work: Wenn die Arbeit uns nicht braucht, brauchen wir dann noch die Arbeit?

Zugegeben: eine mutige Headline. Aber genau diese Frage umschreibt die Entwicklung von der alten Arbeitswelt zum Konzept „New Work“ ganz gut. Immer mehr Routineaufgaben nehmen uns Maschinen ab, viele Arbeitsplätze wurden durch die Digitalisierung bereits wegrationalisiert; man denke nur an echtes Bäckerhandwerk oder Bankfilialen, die nach und nach schließen. Der strukturelle Wandel ist, neben der Digitalisierung, bedingt durch vielerlei Ursachen – Globalisierung, demographischer Wandel, Connectivität… Warum sich unsere Arbeitswelt so rapide geändert hat, ist letztendlich auch zweitrangig, denn Fakt ist: New Work ist definitiv ein Thema. Arbeit soll mehr als nur Geld verdienen sein. Es geht um Sinnstiftung.

Bye bye nine to five

Man kennt es: Start-Ups mit hippen Loftbüros in Szene-Vierteln, Tischkicker und Terrasse mit Webergrill bestückt schießen nur so aus dem Boden – je urbaner, desto besser. Dann noch das neueste MacBook dazu, eine High-End-Barista-Kaffeemaschine und ab geht die wilde Fahrt der zukunftsweisenden Effektivität und Effizienz. Wir müssen leider enttäuschen: So wird das Konzept New Work nicht umgesetzt. Es geht wesentlich mehr um eine gesellschaftliche Kultur, um starke Haltung. Die neue Generation möchte selbstbestimmter arbeiten und möchte im Idealfall eine Wohlfühlatmosphäre.
Auflösung des festen Arbeitsplatzes, flexible und projektbasierte Arbeitszeiten, Aufbruch der alten Hierarchie-Strukturen und weniger Routineaufgaben, dafür mehr Kreativität – das soll die Innovationen in der Gesellschaft erhöhen und auch den wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen antreiben. Home Office und Remote Work könnten also schon bald für viele Usus sein. Das klingt alles wahnsinnig toll, hat nur massive Haken. Einer ist beispielsweise das weitere Verwischen zwischen Privat- und Arbeitsleben. Ein andere ist die tatsächliche Umsetzung. Ist New Work Utopie oder realitätstauglich?
In manchen Branchen, die beispielsweise tarifgebunden sind, kann man gar nicht so wild und rigoros einschneidende Veränderungen hervorrufen – viele sind auch durch zahlreiche Maschinen ab bestimmte Arbeitszeiten gebunden. Da nimmt die Digitalisierung wenig Routinearbeit ab. Leichter ist es in jungen Unternehmen, die wenig gewachsene Strukturen aufweisen und dementsprechend wenig zu verlieren haben, was die Organisationsstruktur betrifft.
Ein theoretischer Ansatz muss ja auch nicht ganzheitlich umgesetzt werden, sondern man kann auch einzelne Optimierungen nach und nach durchsetzen ohne die eigene Unternehmenskultur völlig auf den Kopf zu stellen. Mit guten Kolleginnen und Kollegen kann man auch in einer weniger offenen Architektur sicherlich großartige Projekte stemmen – früher wurde das zumindest oft noch in Garagen gemacht. 😉
Fest steht: Ja, die Arbeit braucht uns und unsere kreativen Gedanken, die keine KI dieser Welt ersetzen kann, immer noch. Und auch wir brauchen die Arbeit – lediglich in einem ganz anderen Gewand.

 

 


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