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Akzeptanz vs. Toleranz – Diversity am Arbeitsplatz

Man kann den Partner nicht zum Sommerfest der Firma mitnehmen – das passiert vielen Arbeitnehmern in Deutschland immer wieder. Genauer: Es passiert den Menschen, die sich sexuell anders orientieren als es die vermeintliche Mehrheit tut. Ein Blick auf den Status Quo der LGBT+-Community im Berufsleben.

Ein Friseur ist schwul, ein Manager heterosexuell – klingt wie altbackenes Schubladendenken aus dem letzten Jahrhundert, ist aber oftmals noch in vielen Köpfen verankert. Kann man in unserer aufgeklärten Gesellschaft gar nicht glauben? Laut der „Out@Work“-Studie der Boston Consulting Group legen nur 37 Prozent der deutschen LGBT+-Arbeitnehmer ihre sexuelle Orientierung gegenüber Kollegen offen. Während in Brasilien, Großbritannien, den USA und Kanada ganz locker mit der Thematik umgegangen wird, schneidet Deutschland im internationalen Vergleich unterdurchschnittlich ab. 22% der 4.000 Befragten sehen ein Coming Out in Deutschland als Karriererisiko.
Das zeigt: Sexualität spielt eine Rolle am Arbeitsplatz. Laut des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration fühlt sich der Großteil der LGBT+-Talente bei der Arbeit sogar diskriminiert.
Stellenanzeigen mit dem Zusatz „(m/w/d)“ also nur ein gesetzeskonformer, aber nicht ernst gemeinter Zusatz?
Oftmals liegt der Teufel ja im Detail – ein Unternehmen kann noch so weltoffen und tolerant sein; wenn die Arbeitskollegen neben der Kaffeemaschine fragen, wie denn das Wochenende gewesen sei, fangen die Probleme oft schon an: Verschweigt man, dass man mit seinem gleichgeschlechtlichen Partner einen Ausflug zum See gemacht hat? Erfindet man eine angebliche Partnerin, um ohne ins Stottern zu geraten, frei von seinem Wochenende erzählen zu können? Oder bleibt man verschlossen und läuft somit Gefahr, als arrogant abgestempelt zu werden?

Karriere und Beruf können immer bunter werden

Hinzu kommt, dass die sexuelle und berufliche Orientierungsphase oftmals in einem ähnlichen Zeitraum ablaufen, man in der Schule eventuell schon schlechte Erfahrungen aufgrund der eigenen Sexualität und Orientierung gemacht hat – die wenigsten wollen das nochmal im Berufsalltag durchleben.
Der Leiter des Instituts für Diversity- und Antidiskriminierungsforschung Dominic Frohn rät Unternehmen, dass sie Diskriminierung ahnden und eine offene Unternehmenskultur fördern, so dass die Arbeitszufriedenheit und Verbundenheit zur Firma steigen kann – denn neben den Betroffenen leidet auch ganz klar das Arbeitsklima sowie die Effizienz.
Mal angenommen, man möchte die Karriereleiter noch ein paar Stufen höher, dann wird die Luft erst recht dünn: Die Führungsetagen sind oftmals eher konservative abgeschottete Kreise, in denen es bekanntermaßen auch Frauen nicht leicht haben. Es kommt auch vor, dass schwule Männer weniger verdienen als homosexuelle – nicht nur für Frauen klafft hier also noch eine Gleichberechtigungslücke.
Mittlerweile gibt es daher Jobbörsen, Personaldienstleister und Karriereplattformen, die speziell auf die LGBT+-Community ausgerichtet sind.
Völlig neu ist dabei die App Proudr, die weltweit die erste Business & Networking LGBT+-Plattform darstellt. Der Gründer Stuart Cameron ist der Überzeugung, dass die App wieder mehr Mut gibt und den Austausch zu guten Arbeitgebern sowie den gegenseitigen Support stärkt – zu groß sei mittlerweile  die Kluft zwischen heterosexuellen und LGBT+-Arbeitnehmern.
Wer kompetent ist, sollte überall arbeiten und sich dabei wohl fühlen dürfen – daran arbeiten müssen wir alle: Vom Kollegen über die Betroffenen selbst bis hin zur Führungsetage.


 


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